Herzinfarkt und Schlaganfall


Veröffentlicht am: 29.01.2024

 

Todesursache Nummer eins


Herz-Kreislauf-Erkrankungen und darunter Herzinfarkt und Schlaganfall sind nach wie vor die Haupttodesursachen der ÖsterreicherInnen, wie in allen entwickelten Ländern. Im Jahr 2021 waren sie für 34% aller Todesfälle verantwortlich. Den modernen medizinischen Behandlungsmöglichkeiten ist es aber zu verdanken, dass die Herz-Kreislauf-Sterblichkeit seit Jahren kontinuierlich rückläufig ist. Eine Untersuchung des Gesundheitsministeriums hat jedoch ergeben, dass in Österreich nach wie vor jährlich etwa 5700 Menschen vorzeitig (in einem Lebensalter unter 75 Jahren) an einem Herzinfarkt oder Schlaganfall sterben.

 




Folgen von Herzinfarkt und Schlaganfall

Zwar überlebt man dank der modernen Medizin heutzutage in der Regel den Schlaganfall – mitunter mit Lähmungen unterschiedlichsten Ausmaßes - oder den Herzinfarkt mit einer höheren Wahrscheinlichkeit als dies früher der Fall war, aber Betroffene haben jedenfalls gegenüber gesunden Gleichaltrigen ein deutlich geringeres körperliches und psychisches Wohlbefinden und damit eine deutlich eingeschränkte Lebensqualität.

 

Herzinfarkt und Schlaganfall sind nicht vorbestimmt

Vielfach kommt die Meinung auf: „Meine Oma hatte einen Herzinfarkt, mein Vater auch, also weiß ich eh schon, was mir bevorsteht.“ Sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen also Schicksal oder können wir etwas dagegen tun? Ihre Ärztin wird Ihre Meinung nicht ganz teilen, sondern Ihnen erklären, dass bei Ihnen das „familiäre“ Risiko für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung erhöht ist, dass Sie aber mit Sicherheit etwas beitragen können, um dieses Risiko zu verringern.

Woher Ihre Ärztin diese Sicherheit nimmt? Nun, sie weiß, wie ein Herzinfarkt oder ein Schlaganfall entsteht: In den Blutgefäßen Ihres Herzens oder Gehirns bilden sich im Laufe der Jahre Ablagerungen, diese Veränderungen werden Arteriosklerose genannt. Irgendwann wird dadurch ein Gefäß verschlossen und das von ihm versorgte Herz- oder Gehirngewebe bekommt keinen Sauerstoff mehr und funktioniert nicht mehr richtig, der Herzinfarkt oder der Schlaganfall ist da. Es muss dann rasch wieder eine Gefäßversorgung hergestellt werden, sonst stirbt das Gewebe ab. Das ist der Job der NeurologInnen, KardiologInnen und einer Reihe anderer FachärztInnen im Krankenhaus.

 

Schutz vor Herzinfarkt und Schlaganfall

Wo können nun Sie selbst und/oder Ihre Ärztin ansetzen? Das Stichwort hierfür lautet „Arteriosklerose“. Denn die entsteht nicht von ungefähr.

Alle Faktoren eines ungesunden Lebensstils wie Übergewicht (besonders bauchbetonte Fettsucht, Apfelform), Alkohol, Rauchen und Bewegungsmangel leisten ihren Beitrag zur Arteriosklerose unserer Gefäßwände. Durch die ungesunde Lebensweise entstehen die Risikofaktoren der Arteriosklerose: Bluthochdruck (Hypertonie), ein erhöhter Blutzucker (Typ-2-Diabetes) und erhöhte Blutfettwerte (Hyperlipidämie). Diese belasten und schädigen auf unterschiedliche Weise die Gefäßwand. Die wiederum reagiert mit einer Art Entzündungsreaktion – die Arteriosklerose beginnt. Der Beitrag, den wir leisten können, um der Arteriosklerose vorzubeugen, ist ein gesunder Lebensstil mit Gewichtsreduktion, körperlicher Aktivität, wobei empfehlenswerte Sportarten fast alle sind, Hauptsache man bewegt sich, und beim Essen auch auf eine geringere Salzzufuhr, weniger gesättigte Fettsäuren (Fisch statt Schweinsbraten) und vermehrter Konsum von Obst und Gemüse zu achten (Stichwort „mediterrane Diät“). Wenig Alkohol und mit dem Rauchen ganz aufhören, sind weitere wichtige Maßnahmen.

Die gesunde Lebensweise verhindert in vielen Fällen bereits das Auftreten von Bluthochdruck, erhöhtem Blutzucker oder erhöhten Blutfettwerten. Manchmal gelingt es sogar, allein durch diese Lebensstilmodifikation bereits bestehende Risikofaktoren der Arteriosklerose in den Griff zu bekommen. In diesen Fällen wird Ihre Ärztin jedoch in der Regel Antihypertensiva (Blutdrucksenker), Antidiabetika (Blutzucker senkende Medikamente) oder Lipidsenker (Medikamente, die die Blutfette senken) mit verordnen, die bei regelmäßiger konsequenter Einnahme das Risiko für die gefürchteten Folgeerkrankungen einer Arteriosklerose, nämlich Herzinfarkt und Schlaganfall deutlich senken.

 

 




Univ.-Prof. Dr. Bernhard Metzler, Kardiologe an der Universität Innsbruck


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